Krakel Orakel
TOPP, 2024
Autoren: Die 7 Bazis
2–8 Spieler:innen, ab 10 Jahre, 30 Minuten
Ihr habt hier ein kooperatives Party- und Familienspiel vor Euch, bei dem es um Malen und Rätseln geht, und das ohne jegliches Zeichentalent. Jede:r erhält eine Tafel voll ungeordneter Punktlinien und zieht einen Begriff, den sie:er innerhalb von zwei Minuten mit den vorgegebenen Linien nachzeichnet. Das Besondere: Die Linien selbst enthalten keine versteckte Form, sie sind wahllos verteilt. Ihr müsst darin kreative Strukturen entdecken und gezielt nutzen. Dieses scheinbar chaotische Raster ist die zentrale Idee. Aus dem Chaos entsteht durch Eure Fantasie eine spielerisch kreative Herausforderung.
Nach kurzer Einweisung entscheidet Ihr gemeinsam über die einfache oder schwere Begriffskategorie. Dann krakelt Ihr zeitgleich: Ihr habt zwei Minuten, um euren Begriff darzustellen, indem ihr die Linien nutzt. Gerade Linien dürfen nicht verlassen, Buchstaben und Zahlen sind tabu. Wenn Ihr fertig seid, legt Ihr Eure Tafeln so, dass alle sie sehen und platziert den Stift am unteren Bildrand. Anschließend kommt die Ratephase: Eure Begriffskarten werden eingesammelt, durch neue ergänzt, gemischt und offen ausgelegt. Reihum darf jede:r Spieler:in einen Begriff ausschließen, von dem sie überlegen, dass er nicht gemalt wurde und das ganz ohne Kommunikation. Am Ende bleiben so viele Karten übrig, wie Mitspielende vorhanden sind. Karten ohne zugehörige Zeichnung zählen als Fehlerpunkte. Nach vier Runden (oder vorher bei zu vielen Fehlern) wird abgerechnet: Gewinnt das Team gemeinsam, wenn die Fehlerpunkte maximal der Spielerzahl entsprechen. Das Spiel vermittelt ein Gefühl von eigenständigem Kreativprozess gepaart mit rätselhaftem gemeinsamem Entdecken und endet in einem Austausch mit viel Gelächter.
Das Spielerlebnis überzeugt durch seine ungewöhnliche kreative Herausforderung, die Hemmschwellen beim Zeichnen abbaut. Zugänglichkeit ist ein echtes Highlight: Selbst Leute ohne Talent fühlen sich wohl. Die Stimmung am Tisch ist entspannt und humorvoll. Die spontane Kommunikation bringt viel Spaß beim Vergleich der gekrakelten Werke. Als kritische Punkte fallen die starren zwei Minuten auf. Sie drücken manchmal unnötig den Zeitdruck. Die Nicht-Kommunikation in der Ratephase passt formal nicht ganz zum kooperativen Anspruch. Bei voller Besetzung mit 7–8 Personen kann es etwas unübersichtlich werden. Das Material ist insgesamt solide: stabile, abwischbare Tafeln und passende Filzstifte. „Krakel Orakel“ eignet sich hervorragend für Familienrunden, Partys oder als Auftakt zu einem Spieleabend. Es ist weniger geeignet, wenn Ihr intensive Strategiespieler:innen seid oder Wert legt auf strukturierte Kommunikation. Hier bleibt vieles intuitiv und leicht chaotisch. Das Spiel bietet in seiner Kürze genau das, was es verspricht: kreativen, kooperativen Spaß mit einigen Tücken und vielen Lachmomenten. Mein Fazit: Ein cleveres, inklusives Zeichenspiel, das überraschend hohes Unterhaltungspotenzial entfaltet, gerade wenn Ihr gerne lacht und mit wenig Aufwand gemeinsam aktiv sein wollt.
2025 wird „Krakel Orakel“ zum „Spiel des Jahres“ nominiert. Die Jury sagt: „Bei „Krakel Orakel“ muss man nicht gut malen können, sondern Ideen entwickeln. Das Kritzeln macht gute Laune. Im Wirrwarr der gepunkteten Linien entsteht Kreativität oft von allein. Man entwickelt Werkstolz für die eigene Skizze und zollt den Arbeiten der anderen Anerkennung. Das verbindet. Als Gruppe freut man sich über die gelungene Galerie.“