Spielidee 9
Material 8
Mechanismen 9
Spieleindruck 9

Stück für Stück ins Abenteuer

Summary 8.8 Top

Fragments – Solara

Pegasus Spiele, iello, 2026
Autoren: Michael Palm & Lukas Zach
1+ Spieler:innen, ab 10 Jahre, 40–60 Minuten

Da liegt doch etwas, das zusammenpassen müsste. Zwei Puzzleteile werden aneinandergelegt, kurz betrachtet und wieder getrennt. Vielleicht andersherum? Oder fehlt noch etwas? Irgendwann ergibt sich ein Zusammenhang, ein Teil wird umgedreht und plötzlich geht die Geschichte weiter. Genau solche Momente machen „Fragments – Solara“ so reizvoll. In einer geheimnisvollen Wüstenwelt begleiten wir die junge Nomadin Larna auf der Suche nach ihrem verschwundenen Tiergefährten. Dabei erschließen wir uns die Spielwelt über einzelne Puzzleteile, die wir miteinander kombinieren, umdrehen und auf unterschiedliche Weise verwenden. Das klingt zunächst nach einem gewöhnlichen Puzzle mit etwas Geschichte drumherum, ist aber deutlich mehr. Die Fragmente ergeben nicht einfach nur ein fertiges Bild. Sie ermöglichen uns, Gegenstände einzusetzen, Orte zu erkunden und neue Wege zu entdecken. Eine ungewöhnliche Idee, die erstaunlich gut funktioniert. Besonders schön ist, wie eng diese Mechanik mit dem Abenteuer verbunden ist. Was wir entdecken und wie sich die Geschichte entwickelt, möchte ich bewusst nicht verraten. Gerade die Überraschungen sind ein wesentlicher Teil des Spielerlebnisses.

Nach einem kurzen Tutorial, das uns mit den grundlegenden Mechanismen vertraut macht, beginnt die eigentliche Erkundung. Wir entdecken neue Orte, erhalten weitere Puzzleteile und versuchen herauszufinden, welche Fragmente auf welche Weise zusammengehören. Dabei lohnt es sich, genau hinzusehen. Die Form eines Teils kann ebenso wichtig sein wie das darauf abgebildete Motiv. Manchmal ist sofort klar, welche Verbindung sinnvoll erscheint. An anderer Stelle muss man genauer überlegen. Lässt sich dieser Gegenstand irgendwo einsetzen? Haben wir einen Hinweis übersehen? Oder fehlt uns noch ein Teil, das wir erst später entdecken werden? Werden Fragmente richtig kombiniert, eröffnen sich neue Möglichkeiten und die Geschichte schreitet voran. Besonders gut gefällt mir, dass sich die Lösungen meistens logisch aus der jeweiligen Situation ergeben. Die Abbildungen und Formen sind sinnvoll aufeinander abgestimmt, sodass man nicht einfach wahllos Teile ausprobiert, sondern tatsächlich überlegt, was zusammenpassen könnte. Die Rätsel bieten dabei eine angenehme Mischung. Manche sind schnell gelöst, andere verlangen etwas mehr Aufmerksamkeit und sorgen für schöne Aha-Momente. Sollte man dennoch einmal feststecken, bietet das beiliegende Lösungsheft Unterstützung. Allerdings muss man auch daran denken, bereits erledigte Schritte tatsächlich auszuführen. Wird beispielsweise vergessen, ein fertig kombiniertes Teil umzudrehen, kann man sich unbemerkt selbst den weiteren Weg versperren. Dann sucht man möglicherweise nach einer komplizierten Lösung, obwohl der nächste Schritt längst möglich wäre.

Die Puzzlemechanik hat mich begeistert. Sie ist ungewöhnlich, clever umgesetzt und fühlt sich erstaunlich natürlich an. Besonders überzeugt mich, wie sinnvoll die einzelnen Teile eingesetzt werden. Ihre Formen und Illustrationen sind auf die Aufgaben abgestimmt und unterstützen die Geschichte. Wenn eine Verbindung gelingt, versteht man meistens auch, warum sie funktioniert. Die Rätsel wirken dadurch selten willkürlich. Das wäre allerdings nur halb so schön, wenn die Geschichte nicht ebenfalls überzeugen würde. Sie hat mich immer wieder neugierig gemacht. Was verbirgt sich hinter der nächsten Entdeckung? Wie entwickelt sich das Abenteuer weiter? Man möchte einfach dranbleiben und noch ein weiteres Rätsel lösen. Die Aufgaben sind abwechslungsreich genug, damit die ungewöhnliche Mechanik ihren Reiz behält, ohne dabei übermäßig schwierig zu werden. Ganz ohne Stolpersteine geht es trotzdem nicht. In einer unserer Runden landeten wir tatsächlich in einer Sackgasse, weil wir vergessen hatten, ein bereits fertig kombiniertes Teil umzudrehen. Eine ganze Weile überlegten wir, wie es weitergehen könnte, bis jemand den übersehenen Schritt bemerkte. Und siehe da, plötzlich lief alles wieder flüssig. Wirklich geärgert hat uns das nicht. Wir mussten eher über unseren eigenen Fehler schmunzeln. Trotzdem zeigt diese Situation, dass das System ein gewisses Maß an Aufmerksamkeit verlangt. Erfreulich ist, wie gut das Abenteuer in unterschiedlichen Besetzungen funktioniert. Ich habe allein, zu zweit und zu viert gespielt und hatte jedes Mal Freude daran. In größeren Runden helfen zusätzliche Augen durchaus weiter. Was eine Person übersieht, fällt vielleicht jemand anderem auf. Allerdings möchten alle die Teile genau betrachten können. Irgendwann wird es deshalb zu voll am Tisch. Zu viert hat das für uns noch gut funktioniert, deutlich größer würde ich die Gruppe aber nicht wählen. Auch die Gestaltung gefällt mir sehr gut. Die Illustrationen passen zur geheimnisvollen Spielwelt und sind gleichzeitig ein wichtiger Bestandteil der Rätsel. Das Material ist solide und erfüllt seinen Zweck. Besonders erfreulich finde ich, dass sich die ausgepöppelten Teile nach dem Abenteuer wieder in ihre ursprünglichen Rahmen einsetzen lassen. Anschließend kann alles ordentlich verstaut und an andere Spieler weitergegeben werden. Das ist sinnvoll, denn die Geschichte selbst bietet nach ihrem Abschluss kaum einen Grund für einen zweiten Durchlauf. Man kennt die Lösungen und die Überraschungen sind weg. Wer ein Spiel sucht, das immer wieder auf den Tisch kommen soll, muss sich dessen bewusst sein. Auch Menschen, die besonders harte Rätselnüsse bevorzugen, werden hier möglicherweise nicht ausreichend gefordert. Der Schwerpunkt liegt auf dem Entdecken und dem gemeinsamen Erleben der Geschichte. Und genau darin liegt für mich die große Stärke des Spiels. Die Rätsel sind nachvollziehbar, die Mechanik trägt über das gesamte Abenteuer und die Handlung weckt immer wieder die Neugier auf das, was noch kommt. Für alle, die gerne knobeln und sich auf eine Geschichte einlassen möchten, ist das eine klare Empfehlung. Mich hat das Konzept jedenfalls rundum überzeugt. Nach dem Ende hatten wir sofort Lust, ein weiteres Abenteuer mit diesem System zu spielen. Umso schöner, dass bereits Nachschub angekündigt ist.

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