Zwölf Spiele auf der SPIEL 2026
Die SPIEL in Essen steht vor der Tür. Und wieder gibt es deutlich mehr interessante Neuheiten als Zeit, sie alle auszuprobieren. Zwischen den großen Veröffentlichungen bekannter Verlage tauchen immer wieder kleinere Spiele auf, die mit ungewöhnlichen Ideen neugierig machen. Da fällt die Auswahl nicht gerade leicht.
Ich habe mich in den vergangenen Wochen durch Neuheitenlisten, Verlagsankündigungen und erste Einschätzungen gearbeitet. Zwölf Titel haben es dabei auf meine persönliche Wunschliste geschafft. Wichtig ist allerdings: Keines dieser Spiele habe ich bislang selbst gesehen oder gespielt. Meine Auswahl beruht ausschließlich auf den Informationen, die bisher über die Spiele veröffentlicht wurden. Ob sie ihre Versprechen tatsächlich einlösen, muss sich am Spieltisch erst noch zeigen.
Eine Rangliste der vermeintlich besten Neuheiten ist das also nicht. Es sind zwölf Spiele, die mich aus ganz unterschiedlichen Gründen neugierig gemacht haben und die ich mir in Essen gerne genauer anschauen möchte.
Queen Alice
Combo Games · Héctor Carrión Benavent, David Heras Pino · 1–4 Personen · ab 14 Jahren · 30–120 Minuten
Eine Teegesellschaft im Wunderland vorzubereiten, klingt zunächst nicht nach einer besonders schwierigen Aufgabe. Wenn allerdings Schachfiguren bestimmen, welche Aktionen überhaupt möglich sind, wird die Sache komplizierter. In „Queen Alice“ bewegen wir Figuren nach den bekannten Schachregeln über den Spielplan, verbessern unsere Möglichkeiten mithilfe von Karten und beeinflussen gleichzeitig, ob Alice am Ende die rote oder weiße Krone trägt. Das ist wichtig, weil davon abhängt, welche unserer Ziele gewertet werden. Gerade diese Verbindung aus eigener Planung und dem gemeinsamen Einfluss auf die Krönung finde ich reizvoll. Bei so vielen ineinandergreifenden Mechanismen bleibt allerdings abzuwarten, wie flüssig sich das Ganze tatsächlich spielt.
Fadenfroh
1 More Time Games · Jordy Adan, Alexander Pfister · 1–4 Personen · ab 8 Jahren · ca. 30 Minuten
Ein Eichhörnchen, ein paar Blumen und dazwischen bunte Stickmuster: „Fadenfroh“ sieht erst einmal ausgesprochen gemütlich aus. Wir sammeln Garn und Nadeln, nehmen Stoffkarten aus einem gemeinsamen Markt und legen sie überlappend in unserer eigenen Auslage an, um möglichst wertvolle Muster entstehen zu lassen. Wer zu lange Materialien sammelt, riskiert allerdings, dass jemand anderes die passenden Karten wegschnappt. Die Kombination aus überschaubaren Regeln und diesem kleinen Wettlauf um die besten Stoffe klingt interessant. Dazu kommt, dass Alexander Pfister und Jordy Adan erstmals gemeinsam ein Spiel entwickelt haben. Was die beiden aus dem ungewöhnlichen Thema gemacht haben, möchte ich mir unbedingt anschauen.
High Moon
Combo Games · Antonio Guillamó „Guilla“ · 2–4 Personen · ab 10 Jahren · 40–60 Minuten
Untote Cowboys treiben Skelettkühe durch eine Westernlandschaft. Allein dafür verdient „High Moon“ schon einen zweiten Blick. Hinter der ziemlich schrägen Kulisse steckt ein taktisches Routenbauspiel, bei dem wir die Verbindungen zwischen unseren Ranches, Herden und Brennereien möglichst geschickt ausbauen müssen. Die Regeln sollen dabei überschaubar bleiben, während die Entscheidungen durchaus etwas Nachdenken verlangen. Diese Kombination könnte mir gefallen, zumal das eigenwillige Westernszenario dem Spiel schon auf den ersten Bildern einen unverwechselbaren Charakter verleiht.
Carl Linné
Pink Troubadour · Michal Peichl · 1–4 Personen · ab 12 Jahren · 60–120 Minuten
Beim Blick auf das Cover von „Carl Linné“ war ich zunächst vor allem von der naturkundlichen Gestaltung angetan. Das Spiel beschäftigt sich mit der Erforschung und Ordnung der Natur und greift dabei die wissenschaftliche Arbeit des schwedischen Naturforschers auf. Besonders interessant erscheint mir der Umgang mit den optischen Linsen, die sich auf unterschiedliche Weise einsetzen lassen. Unter einem Mikroskop ermöglichen sie beispielsweise stärkere Aktionen, stehen anschließend aber vorübergehend nicht mehr zur Verfügung. Wer jetzt besonders viel erreichen möchte, muss also möglicherweise in der nächsten Runde auf bestimmte Möglichkeiten verzichten. Ein solcher Mechanismus passt für mich gut zum wissenschaftlichen Thema und macht neugierig auf die übrigen Entscheidungen, die in diesem Kennerspiel warten.
Surfin’ Cats
2Tomatoes Games · Aitor Perea Cobo, Iván Cuadra García · 2–5 Personen · ab 10 Jahren · 20–30 Minuten
Die perfekte Welle ist in Sicht, aber leider haben die anderen Katzen denselben Plan. Bei „Surfin’ Cats“ versuchen wir mit unseren Handkarten, möglichst gute Positionen auf den Wellen zu erreichen und dabei spektakuläre Tricks hinzulegen. Erspielte Punkte lassen sich für neue Karten oder besondere Fähigkeiten ausgeben, sodass sich die eigenen Möglichkeiten im Laufe der Partie verändern. Dazu kommt, dass uns die Konkurrenz mit ihren Karten durchaus einen Strich durch die Rechnung machen kann. Das klingt nach einem kurzweiligen Kartenspiel, bei dem man seine Mitspieler besser nicht aus den Augen verliert. Und die surfenden Katzen haben natürlich auch einen gewissen Reiz.
Seagrass
Bitewing Games · Trevor Benjamin, Brett J. Gilbert · 2–4 Personen · ab 10 Jahren · 30–60 Minuten
Ein Korallenriff vergrößern und damit wertvoller machen? Klingt nach einer guten Idee, solange am Ende auch die eigene Tierkolonie davon profitiert. Bei „Seagrass“ konkurrieren wir auf einem gemeinsamen Spielplan um die Mehrheiten an verschiedenen Riffen. Größere Riffe versprechen mehr Punkte, werden dadurch aber auch für die Mitspieler attraktiver. Besonders spannend finde ich, dass man mit einem eigentlich sinnvollen Zug gleichzeitig neue Möglichkeiten für die Konkurrenz eröffnet. Dass „Seagrass“ auf dem älteren Spiel „Maya“ aufbaut und dessen Konzept an mehreren Stellen weiterentwickelt, macht den Titel für mich zusätzlich interessant.
FOMO: Foragers of Mechanical Oddities
Esper Game Studio · Rodrigo Esper · 3–5 Personen · ab 10 Jahren · 20–30 Minuten
Da liegt ein vielversprechendes mechanisches Fundstück auf dem Schrottplatz. Nur weiß niemand so genau, ob sich dahinter etwas Wertvolles oder doch nur nutzloses Gerümpel verbirgt. Bei „FOMO“ bieten wir auf geheimnisvolle Maschinenteile, obwohl wir nur einen Teil der Informationen kennen. Wer unbedingt den Zuschlag haben will, kann sich damit gehörig verschätzen. Gerade bei einem kurzen Auktionsspiel gefällt mir der Gedanke, dass die Einschätzung der Mitspieler mindestens so wichtig sein könnte wie der tatsächliche Wert einer Karte. Dazu kommt eine wunderbar eigenwillige Gestaltung, die bereits auf dem Cover auffällt.
Oil Rock
Cranio Creations · Marco Piola Caselli · 2–4 Personen · ab 13 Jahren · ca. 90 Minuten
Der amerikanische Ölboom liefert den Hintergrund für „Oil Rock“, in dem wir eigene Förderunternehmen aufbauen und um wirtschaftliche Vorteile konkurrieren. Besonders neugierig macht mich das Aktionsrad, über das wir unsere Handlungsmöglichkeiten steuern. Dazu kommt eine Reputationsleiste, die nicht nur für die Wertung und Zugreihenfolge wichtig ist, sondern auch neue Fähigkeiten freischaltet. Wer sich hier früh Vorteile sichert, könnte davon über mehrere Runden profitieren, muss dafür aber möglicherweise andere Entwicklungen zurückstellen. Ob die verschiedenen Möglichkeiten tatsächlich zu schwierigen Entscheidungen und spürbarer Konkurrenz führen, dürfte entscheidend für den Spielreiz sein.
My Extreme Skatepark
itten · Daniel Arosteguy Pino, Naotaka Shimamoto · 2–4 Personen · ab 10 Jahren · 15–20 Minuten
Ein kleiner Schnipser und schon soll das Skateboard möglichst elegant durch den Parcours fliegen. Dass es stattdessen auch einfach an einem Hindernis hängen bleiben kann, gehört bei „My Extreme Skatepark“ wohl dazu. Auf dem dreidimensionalen Spielfeld versuchen wir, Tricks zu landen, während sich der Skatepark im Laufe der Partie immer wieder verändert. Gerade die beweglichen Hindernisse könnten dafür sorgen, dass man sich nicht einfach auf einen einmal gelungenen Versuch verlassen kann. Ich habe jedenfalls große Lust, hier selbst ein paar Tricks auszuprobieren. Und vermutlich auch einige ziemlich unspektakuläre Stürze hinzulegen.
Villa
DV Games · Andrea Emiliani · 2–4 Personen · ab 7 Jahren · ca. 20 Minuten
Ein paar Heckenelemente reichen aus, um bei „Villa“ nach und nach einen italienischen Garten entstehen zu lassen. Reihum legen wir neue Teile an die gemeinsame Auslage und versuchen, abgeschlossene Gartenbereiche für uns zu gewinnen. Entscheidend ist, welche Farbe an der Begrenzung eines Bereichs am stärksten vertreten ist. Mich spricht vor allem an, wie überschaubar die eigentliche Aufgabe klingt, obwohl jede neue Hecke die Mehrheitsverhältnisse verändern kann. Bei einer Spieldauer von gerade einmal 20 Minuten braucht es keine komplizierten Sonderregeln, wenn schon die Entscheidung über das nächste Teil genügend Stoff zum Nachdenken liefert.
Flickering Stars
PIKA Games · Matt Leacock, Josh Cappel · 2–4 Personen · ab 8 Jahren · 15–60 Minuten
Ein Raumschiff soll auf einem fremden Planeten landen, aber dafür muss erst einmal der richtige Schnipser gelingen. „Flickering Stars“ verbindet ein Weltraumabenteuer mit Geschicklichkeit und taktischen Entscheidungen. Die kleinen Schiffe werden über den Tisch bewegt, um Planeten zu erkunden, Ressourcen einzusammeln und gegnerischen Flotten auszuweichen. Dass Matt Leacock, den viele vor allem mit kooperativen Spielen wie „Pandemic“ verbinden, gemeinsam mit Josh Cappel ein solches Spiel entwickelt hat, macht die Sache zusätzlich interessant. In Essen wird zunächst eine frühe, überarbeitete Version gezeigt, die Veröffentlichung ist erst für 2027 vorgesehen. Umso schöner, dass man sich bereits jetzt einen ersten Eindruck verschaffen kann.
Best Day Ever
SPIEL DAS! · Jan Maier · 2–6 Personen · ab 8 Jahren · 30–45 Minuten
Noch schnell in die Achterbahn, danach zum Karussell und vielleicht reicht die Zeit sogar für eine weitere Attraktion. Wäre da nur nicht die zunehmend dringende Frage nach der nächsten Toilette. In „Best Day Ever“ planen alle gleichzeitig ihren Tag im Freizeitpark und entscheiden verdeckt, welche Attraktion sie als Nächstes besuchen möchten. Treffen dort zu viele Besucher aufeinander, wird die Warteschlange länger und der Druck auf die eigene WC-Leiste steigt. Wer zu viel erleben möchte, muss also irgendwann auch an die weniger schönen Seiten eines Freizeitparkbesuchs denken. Gerade die gleichzeitige Planung und die möglichen Überschneidungen könnten für einige unterhaltsame Situationen sorgen. Ein Familienspiel, dessen Thema mich jedenfalls sofort angesprochen hat.
Und was landet am Ende wirklich auf dem Tisch?
Zwölf Spiele stehen damit auf meiner Liste für die SPIEL 2026. Ob ich tatsächlich alle ausprobieren kann, wird sich zeigen. Vermutlich werden auf der Messe ohnehin noch einige Titel dazukommen, die ich bislang gar nicht auf dem Zettel hatte. Aber genau das macht einen Besuch in Essen schließlich auch so interessant.
Welche Neuheiten stehen bei euch in diesem Jahr ganz oben auf der Liste?
